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Geplante Veränderungen in der Gesundheitspolitik: Keine ausreichende Versorgung für gesetzlich Versicherte

16. Okt.
2 Min. Lesezeit

Liebe Patienten und Patientinnen,


gestern (15.10.26) hat der Bundestag getagt und folgende Änderungen sollen ab 2027 auf uns zukommen: Wir werden budgetiert. Das bedeutet, dass ich mit meinem halben Kassensitz nicht mehr wie bisher 25-30 Patienten die Woche behandeln kann (ein Patient 50 Min. pro Woche), sondern nur noch 18 Patienten / Woche. Alles was ich darüber hinaus anbiete, wird nicht mehr bezahlt. Bei steigenden Lebensunterhaltskosten ist das wirtschaftlich nicht tragbar. Auch ohne diese Regelung habe ich aufgrund der hohen Nachfrage i. d. R. eine Wartezeit von über zwei Jahren für Einzeltherapieplätze. Es werden allgemein ab 2027 voraussichtlich 25 Prozent weniger Psychotherapieplätze zur Verfügung stehen als bisher in der schon ohnehin angespannten Lage. Alle bisherigen Zuschläge werden zukünftig wegfallen, wir müssen mit extremen Umsatzeinbußen rechnen.

Es ist geplant, dass "besonders Schwere und akute Fälle", sofern Sie über die Terminvergabe der kassenärztlich Vereinigung vermittelt werden, extrabugetär bezahlt werden. ABER: Wer darunter fällt steht noch nicht fest. Wer als Akutfall kommt, erhält 12 Sitzungen. In der Regel ist man nicht unbegründet ein Akutfall und es ist fraglich, ob die 12 Sitzungen reichen werden - sprich: Ich kann Sie dann theoretisch nicht weiter behandeln oder Sie fallen in meine Budgetierung. Zusätzlich soll die Terminvergabe immer mehr von der kassenärztlichen Vereinigung gesteuert werden und ich kann meinen Kalender nicht mehr wie bisher selbst verwalten. Eine "tolle Nachbesserung" von der Politik ist das also nicht!


Die Folgen für Sie als Patienten, für mich als Therapeuten und für unsere Gesellschaft liegen auf der Hand: Wir werden viele Patienten nicht mehr versorgen können. Gesellschaftlich kann man sich die Folgen denken: Arbeitsunfähigkeiten, Frühverrentung, überlaufende Hausarztpraxen, mehr Klinikaufenthalte, Chronifizierungen, Schäden im Familiensystem und leider auch steigende Suizide. Im Übrigen kosten auch all diese Maßnahmen wieder viel Geld, die wir über unsere Verwaltungspauschalen und Sie über Ihre Krankenkassenbeiträge bezahlen. Die sog. Beitragsstabilisierung bedeutet eigentlich nur, dass Kosten verschoben werden, die uns an anderer Stelle ums Vielfache auf die Füße fallen werden.


Ich habe all die Jahre, in denen ich einen Versorgungsauftrag habe, Privatpatienten gebeten, sich bei privatärztlichen Kollegen vorzustellen, um die Plätze den gesetzlich versicherten Patienten zu lassen. Nun werde ich aus politischen Gründen gezwungen, hier umzustrukturieren. Das ist für Sie und mich ein Schlag ins Gesicht und Sie können sich sicher sein, dass ich mich weiter auf berufspolitischer Ebene mit für Sie einsetze, Demonstrationen besuche und in Gespräche mit Politikern gehe. Sie können auch Petitionen unterschreiben und demonstrieren (mir ist klar, dass nicht jeder Patient die Kraft hat). Aber jede kleinste Handlung von Patienten unterstützt Sie und uns!


Natürlich sollten und dürfen Sie sich weiterhin bei so vielen Praxen wie möglich auf Wartelisten setzen lassen, vor allem bei der 116117 versuchen, Termine zu vereinbaren, damit der Ansturm der Patienten auch bewusst wird und sich ggf. auch über das Kostenerstattungsverfahren informieren, sollten Sie keinen Therapieplatz zeitnah erhalten (Informationen dazu finden Sie im Internet, z. B. über den Berufsverband DPTV).


In meiner Praxis führe ich Gruppentherapien durch, für die es immer mal wieder freie Kapazitäten gibt und sollte es eine passende Gruppe für Sie geben (Abklärung im diagnostischen Einzel), können Sie von dieser Art der Therapie durchaus profitieren und haben nicht so lange Wartezeiten wie im Einzeltherapiesetting. Gerne können Sie diesbezüglich Kontakt zu mir aufnehmen.

 
 
 

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